Valentinstag als Single: Mein Date heißt Lieferando!
- Rene Oliver

- 9. Feb. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Himmelherrgott – es gibt kein Entkommen. Kaum in den Februar gestartet, dreht die Welt komplett durch. Überall Herzchen, überall Rosa, überall diese unterschwellige Botschaft: „Hast du schon den Valentinstag geplant?“ Beim Bäcker glotzen mich rosafarbene Krapfen an, im Supermarkt glänzen mir überteuerte Pralinenboxen entgegen, und selbst die Tiefkühlpizza sieht aus, als hätte sie romantische Absichten.

Mein E-Mail-Postfach ist auch nicht besser. „Nur noch drei Tage für das perfekte Valentinsgeschenk!“, „Last Minute Love – überrasche deine bessere Hälfte!“ und mein persönlicher Favorit: „Weißt du schon, was du schenkst?“ Ja, natürlich weiß ich das. Gar nichts. Meine bessere Hälfte ist nämlich seit Jahren mein Lieferdienst, und der freut sich über Trinkgeld, nicht über eine silberne Kette mit „Du und ich für immer“-Gravur.
Aber gut, Valentinstag ist ja angeblich nicht nur was für Verliebte. Doch, natürlich ist er das. Aber als Single soll man sich ja „selbst feiern“ – Stichwort: Selbstliebe. Und damit meine ich nicht die Instagram-Version, die mir einreden will, dass ich für 75 Euro eine Duftkerze brauche, um mir selbst zu zeigen, wie wertvoll ich bin. Brauche auch kein Detox-Tee-Selbstfürsorge-Set mit einer Avocado-Maske, die mich aussehen lässt wie eine schlecht gerollte Sushi-Maki. Ich liebe mich auch so – vor allem, wenn ich mit fettigen Fingern auf der Couch sitze, ’ne Pizza in den Schlund fallen lasse und ’ne Serie schaue, in der garantiert keine Rosen, Candle-Light-Dinner oder schmachtende Liebeserklärungen vorkommen.
Während ich genüsslich in meine heiße, perfekt belegte Pizza beiße, beobachte ich, wie Valentinstag bei Paaren so abläuft. Zwei Lager stehen sich gegenüber: Team „Wir machen das richtig groß“ und Team „Wir schenken uns nichts“ (was meistens eine Lüge ist). Die ersten buchen Wochen vorher einen Tisch in einem völlig überteuerten Restaurant, in dem es ein „romantisches Valentinsmenü“ gibt – sprich: ein Drei-Gänge-Menü, das aussieht wie Kunst, aber nicht satt macht, wo viel mit Präpositionen gearbeitet wird.. an, bei, zu, auf… für einen Preis, bei dem ich mir lieber einen Wellness-Urlaub leisten würde.
Noch lustiger ist das Team „Wir schenken uns nichts“. Es gibt genau zwei Varianten: Die einen halten sich wirklich dran. Die anderen tun so – bis einer am 14. Februar doch mit einem Blumenstrauß vor der Tür steht. Und dann? Panik. Der andere überlegt, ob er es noch irgendwie retten kann, sprintet um 18:55 Uhr zur Tanke, schnappt sich die letzte Packung Merci und eine Karte mit einem Malteser-Chihuahua-Welpen drauf, auf der steht: „Für meinen allergrößten Schatz.“ Hömma, Romantik in allerletzter Sekunde.
Und ich? Ich genieße das Singledasein. Kein Erwartungsdruck, keine peinlichen Geschenke, keine Blumen, die nach drei Tagen aussehen wie mein Liebesleben – welk und traurig.
Meine Version von Valentinstag? Eine Familienpizza für mich allein, ein Glas Sauvignon Blanc und die Sicherheit, dass ich am 15. Februar genau die gleichen Pralinen bekomme – nur eben zum halben Preis. Und wenn das kein Liebesbeweis an mich selbst ist, dann weiß ich auch nicht.
Euer Rene Oliver



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