Der Moment am Erwachsenentisch
- Rene Oliver

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt diesen Moment im Leben, in dem man plötzlich merkt, dass man älter geworden ist. Nicht langsam und schleichend, sondern mitten in einer ganz normalen Situation. Bei mir war das auf einem 18. Geburtstag – als ich auf einmal am Erwachsenentisch saß.
Eigentlich halte ich mich ja immer noch für ziemlich jung. Frisch, dynamisch, mitten im Leben. Also mental ungefähr 23. Nur mit besserem WLAN, weniger Geduld für schlechte Matratzen und einer überraschend starken Meinung zu Dingen wie Rückenschmerzen und Lattenrosten.
Kurz gesagt: Ich war fest davon überzeugt, ich gehöre noch dazu.
Plötzlich sitzt du am Erwachsenentisch
Bis ich plötzlich da saß. Mit Kartoffelsalat und kleinen Frikadellen. Am Erwachsenentisch.
Während gegenüber die ganzen 18-Jährigen standen. geschniegelt wie frisch aus irgendeinem TikTok-Feed gefallen. Perfekte Haare, perfekte Outfits, perfekte Energie.
Und ich hab mich ernsthaft gefragt: Wann genau ist das passiert?
Gefühlt war ich doch auch gerade erst Anfang zwanzig. Gerade noch der Typ gewesen, der auf solchen Partys irgendwo zwischen Musikbox und Kühlschrank stand und überzeugt war, dass die Nacht jetzt erst richtig losgeht.
Und jetzt sitze ich da. Neben Menschen, die sich darüber unterhalten, ob man eigentlich schon Winterreifen wechseln sollte und welche Matratze wirklich gut für den Rücken ist.
Wenn Generationen plötzlich zwei Sprachen sprechen
Spätestens als die 18-Jährigen angefangen haben zu reden, wusste ich: Wir leben inzwischen in komplett verschiedenen Welten.
Da fielen Wörter, bei denen ich kurz überlegt habe, ob das neue Trends, neue Apps oder vielleicht neue Pokémon sind. Ich habe höflich genickt, aber innerlich lief nur ein Gedanke: Ich habe absolut keine Ahnung, worüber ihr da gerade redet.
Und die Musik erst.
Angeblich kennt die jeder. Wirklich jeder.
Ich saß daneben wie früher mein Vater, wenn ich ihm meine CDs gezeigt habe. Höflich nicken. Verständnisvoll schauen. Und innerlich denken: Aha… das soll also Musik sein.
Der Moment, der alles verrät
Der endgültige Realitätscheck kam dann, als mich einer der Jüngeren gefragt hat: „Und, was machst du so?“ Früher hätte ich gesagt: Feiern. Freunde treffen. Spontan irgendwo hinfahren. Irgendwas, das nach Abenteuer klingt. Was ich wirklich gesagt habe war:„Ich hab letztens ein Hochbeet gebaut.“ Ein Hochbeet.
Und während ich das so ausspreche, merke ich selbst, wie absurd das eigentlich klingt. Vor ein paar Jahren hätte ich mich über genau solche Sätze lustig gemacht. Und jetzt sitze ich hier und überlege nebenbei, ob Basilikum eigentlich besser in der Sonne oder im Halbschatten wächst.
Wenn man merkt, dass man erwachsen geworden ist
Und genau das ist wahrscheinlich der Moment, in dem man merkt, dass man erwachsen geworden ist. Nicht wegen grauer Haare.Nicht wegen Rückenschmerzen.Sondern wegen eines Hochbeets. Und plötzlich wird dir klar: Die Jugend ist nicht verschwunden.
Euer René Oliver



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