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40 Kilo abgenommen: Über Gewichtsverlust, Respekt und Grenzen

  • Autorenbild: Rene Oliver
    Rene Oliver
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Ich habe 40 Kilo abgenommen. Vierzig.Und ja, ich spreche offen darüber. In Interviews, online, hier auf meiner Homepage. Nicht, weil ich muss – sondern weil ich will. Weil es mein Weg ist, meine Geschichte, mein Körper. Was es allerdings nicht ist: eine Einladung zur freien Bewertung.

Denn genau das passiert erstaunlich oft. Menschen hören, dass jemand abgenommen hat, sehen eine Veränderung – und fühlen sich plötzlich berechtigt, den Körper dieses Menschen öffentlich zu kommentieren. So, als wäre Offenheit gleichbedeutend mit Mitspracherecht. Ist sie nicht.


Eine dieser Situationen hat sich ganz banal im Supermarkt abgespielt. Wursttheke, Alltag, nichts Besonderes. Ich wollte Schinken kaufen, keine Meinung. Dann kommentierte eine entfernte Bekannte meine Gewichtsabnahme lautstark vor fremden Menschen: Ich sähe krank aus, eingefallen, kaum wiederzuerkennen. Ein Satz, der mehr über unsere Gesellschaft sagt als über meinen Körper.


Denn gesund gilt offenbar nur dann als gesund, wenn es vertraut aussieht. Wenn es ins alte Bild passt. Wenn sich bitte nichts verändert. Veränderung irritiert – und Irritation wird schnell abgewertet. Dabei bin ich nicht krank. Ich sehe anders aus. Und ja, man erkennt mich vielleicht nicht mehr sofort. Zum Glück. Denn ich bin nicht mehr der Mensch von früher. Nicht körperlich, nicht gesundheitlich, nicht innerlich.


Solche Kommentare haben selten mit echtem Interesse zu tun. Oft stecken Unsicherheit, Missgunst oder Neid dahinter. Vielleicht auch das unangenehme Gefühl, wenn jemand etwas verändert, wozu man selbst (noch) nicht bereit ist. Dann wird bewertet, kommentiert, klein gemacht – weil es einfacher ist, andere zu beurteilen, als sich selbst zu hinterfragen.


Mein Körper ist kein Gemeinschaftsprojekt. Sichtbarkeit bedeutet nicht, dass ich mir ungefragt Meinungen anhören muss. Ich erzähle meine Geschichte – ich frage aber niemanden nach seiner. Und ich würde niemals zu jemandem sagen, er oder sie sehe ungesund aus oder solle dringend etwas ändern. Nicht aus Höflichkeit, sondern aus Respekt.


Vielleicht täte uns allen genau das gut: öfter vor der eigenen Haustür kehren. Oder zumindest akzeptieren, dass nicht jeder Körper einen Kommentar braucht. Gesundheit sieht nicht für alle gleich aus. Und manchmal ist das Respektvollste, was man sagen kann, einfach nichts.


Euer Rene Oliver

 
 
 

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