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Nackt, aber glücklich – Warum ich lieber im Spa als auf den Dolomiten wandere

  • Autorenbild: Rene Oliver
    Rene Oliver
  • 27. Nov. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Nov. 2024


Ich war in den Dolomiten. Und bevor du jetzt denkst, „Oh, der ist bestimmt viel in den Bergen unterwegs, erklimmt Gipfel, atmet die frische Luft ein und macht nach jeder Wanderung ein gutes, kräftiges Abendessen“, lass mich dir gleich mal den Wind aus den Segeln nehmen: Ich habe nicht ein einziges Mal einen Berg bestiegen. Stattdessen war ich in einem 5-Sterne-Wellnesshotel, in dem die einzigen Gipfel, die ich erklomm, die Massagen waren. Und die einzigen „Steigungen“ waren die Stufen zum Dampfbad. Und das war für mich das wahre Abenteuer.


Kommen wir also zum eigentlichen Thema: Warum Wandern, wenn du in einem Hotelzimmer mit Aussicht auf die Dolomiten auf einem Kissen von Wolken und einer Tasse Kaffee sitzen kannst? Nein, die Antwort ist: Du tust es nicht. Warum auch? Wer braucht schon frische Bergluft, wenn es auch frischen Schaum auf einem Cappuccino gibt? Meine Wanderungen fanden zwischen der Dusche, dem Hot-Tub und dem Ruheraum statt. Ich habe den Berg nicht erklommen, aber ich habe mich mit einem Peeling aus Lavendel-Öl so richtig „erklärt“.


Aber das Beste kommt noch: der Spabereich. Es gibt diesen speziellen Moment, wenn du im Wellnessbereich bist und plötzlich merkst: „Oh, hier ist der Dresscode ja… nun… nackt.“ Und du bist so: „Okay, ich bin nicht der einzige, die sich entschieden hat, den ganzen Stress hinter sich zu lassen.“ Also ziehst du das Handtuch ab, begibst dich in die Sauna und dann passiert das Unvermeidliche: Du bist umgeben von – Achtung – einem Pärchen in ihren 70ern, die absolut nichts tun, als sich mit einer Mischung aus Dampf und absoluter Gelassenheit zu entspannen. Ich schaue in den Spiegel, finde mich selbst etwas unbeholfen und frage mich: „Muss ich jetzt auch so ruhig wirken, oder darf ich meine Existenz auch mal in einem Aufschrei ausbrechen?“ Nichts ist so belebend wie ein Dampfaufguss mit einem Spritzer Unbehagen, während man nackt und absolut hilflos dasteht.


Aber zurück zum Wesentlichen: Dem Essen. Der Moment, in dem du in einem 5-Gänge-Menü sitzt und die Portionen serviert bekommst, die so klein sind, dass du denkst, du hast das Menü falsch verstanden und gerade nur einen Appetizer bestellt hast. Der erste Gang war so winzig, dass ich mir sicher war, dass ich gleich einen Teller voller Luft serviert bekomme. Aber nein! Es war eine exquisite Mousse, so fein, dass ich sie mit der Zunge direkt von meinem Löffel abziehen musste, um sicherzustellen, dass ich auch wirklich alles erwische. Ein wahres kulinarisches Abenteuer in 20 Gramm.


Jeder Gang kam mit der gleichen Präzision – und der gleichen Mini-Portion. Der zweite Gang? Eine winzige Portion Lachs. Ein Fisch, der mich mehr an eine sehr gute Sushi-Begleitung erinnerte als an ein Gericht für den „normalen“ Menschen. Und ich, der ich in meiner Freizeit ein Sandwich für eine ganze Familie zubereiten kann, saß da, fassungslos, und fragte mich: „Wie viele Portionen muss ich eigentlich essen, um satt zu werden?“ Aber hey, es war lecker! So lecker, dass ich bei jedem Gang fast gejubelt hätte. Fast. Aber ich wollte ja nicht das Ganze ruinieren, indem ich in meiner kleinen Portion einem Tinnitus in der Freude verfalle.


Zum Dessert gab es dann etwas, das aussah wie der Bruder von „einer Minitorte aus einer Puppenküche“. Die Gabel ging durch den Mousse wie ein Messer durch Butter, und ich saß da und dachte: „Ich könnte jetzt weinen, weil es so gut schmeckt, oder ich könnte einfach so tun, als wäre dies mein ganzer Lebenssinn.“ Spoiler: Ich habe beides gemacht.


Am Ende des Tages saß ich also dort – völlig entspannt, von oben bis unten in Lavendel-Öl getränkt, mit dem Gefühl, dass ich mich für meine Entscheidung, nicht zu wandern, bestens belohnt habe. Wer braucht schon frische Bergluft, wenn man in einem Sessel sitzt und dabei von der „frischen“ Luft eines Klimaanlagen-Systems umhüllt wird? Ich habe es nie bereut, die Wanderschuhe gegen den Bademantel getauscht zu haben.


Fazit: In den Dolomiten wandern? Pff, viel zu anstrengend. Ich gehe lieber in ein 5-Sterne-Wellnesshotel und lasse die Berge für sich selbst arbeiten. Und hey, wenn es ein Problem gibt – ich habe schließlich immer noch den Room-Service.


Dein Rene Oliver

 
 
 

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