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Dieses Jahr schenken wir uns aber nichts!

  • Autorenbild: Rene Oliver
    Rene Oliver
  • 15. Dez. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

„Dieses Jahr schenken wir uns aber nichts!“ – Ein Satz, der in etwa so glaubwürdig ist wie „Ich trinke nur ein Glühwein“ oder „Ab morgen gehts ins Fitnessstudio.“ Jedes Jahr wird diese weise Entscheidung in meiner Familie getroffen. Quasi ein Weihnachts-Waffenstillstand, der alles einfacher machen soll. Und jedes Jahr scheitert er mit der Präzision eines deutschen Bahnfahrplans.



Es fängt immer harmlos an. Anfang Dezember sitzt man noch gemütlich bei Plätzchen und Glühwein. „Echt jetzt, keine Geschenke dieses Jahr?“ frage ich meine Schwester vorsichtig. Sie winkt ab. „Nee, echt nicht. Nur Konsumstress, und wir haben doch eh alles. Einfach zusammen sein, oder?“ Klingt super. Kein Einkaufsstress, kein sinnloser Kram. Ich fühle mich frei wie der Grinch nach seiner Erleuchtung. Bis ich eine Woche später durch die Stadt schlendere. Eigentlich wollte ich nur Zahnpasta kaufen, aber dann sehe ich sie: eine Duftkerze. Vanille-Zimt. Meine Schwester liebt Vanille-Zimt. „Eine Kleinigkeit ist ja kein richtiges Geschenk“, rede ich mir ein, während ich sie kaufe. Zuhause stelle ich sie in den Schrank, nur für den Fall der Fälle.

Ein paar Tage später sehe ich ein Set flauschiger Socken. „Praktisch und süß“, denke ich. Und bevor ich es richtig realisiere, landen sie neben der Kerze. Spätestens, als ich dann noch einen handgefertigten Marmeladen-Löffel für meine Mutter kaufe („Das ist ja quasi Küchenbedarf!“), weiß ich, dass der Pakt schon wieder gescheitert ist.

 

Der Showdown

Heiligabend. Wir sitzen um den Baum, die Geschenke, pardon, Kleinigkeiten, versteckt unterm Tisch. Innerlich rechne ich damit, die Einzige zu sein, die den Deal gebrochen hat. Doch dann passiert es: Meine Schwester schiebt mir ein Päckchen zu. „Das ist nur was Kleines, wirklich!“

Es ist ein Buch: „Wie man minimalistisch lebt – Tipps für Leute, die zu viel besitzen.“ Ich schaue sie an, sie schaut mich an, und wir fangen an zu lachen. Mein Schwager packt lächelnd eine neue Schürze aus, meine Mutter grinst über einen edlen Teekannenwärmer, und mein Vater freut sich über ein Puzzle.

Natürlich hat jeder für jeden was mitgebracht. Und natürlich tut jeder so, als sei es „wirklich nichts Großes“.

 

Am Ende gehören die heimlich gebrochenen Versprechen irgendwie dazu. Und nächstes Jahr? Nächstes Jahr schenken wir uns aber wirklich nichts. Vielleicht. Wahrscheinlich. Naja … mal sehen.


Dein René Oliver

 
 
 

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